Der Auerochs

Presseberichte zum Buch “Der Auerochs”

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Die Urviecher auf der Insel Wörth

Die wenigen Bewohner teilen sich die Insel im Staffelsee mit mächtigen Tieren: „ Auerochsen“ – rückgezüchtete Nachkommen einer lang ausgestorbenen Rasse (Auszug aus der Zeitschrift Land & Berge, Ausgabe Mai / Juni 2011).

Langsam bahnt sich der Traktor seinen Weg aus dem Wald heraus auf die freie Weide. Vorne drauf eine voll bepackte Heugabel für die hungrige Herde. Schon von weitem hört man die Tiere. Es ist ein Muhen, doch kräftiger und urtümlicher als bei normalen Rindern. Da kommen sie auch schon hinter dem Hügel hervor: 16 Auerochsen, die hier auf der Insel Wörth im oberbayerischen Staffelsee ihre Heimat gefunden haben.

Die Nachkommen des „Ur“
Korrekterweise heißen sie „Auerochsen“, werden also mit Ausführungszeichen geschrieben, wie Züchter Walter Frisch erzählt. Manchmal findet man auch die neue Bezeichnung „Aueroxe“, denn der urzeitliche Auerochse, auch „Ur“ genannt, einst eines der mächtigsten Landsäugetiere und Stammvater unserer Hausrinder, war im 17. Jahrhundert ausgestorben. Die Tiere auf der Insel Wörth sind deren rückgezüchtete Nachkommen. Zwei deutsche Zoologen hatten in den 1920er Jahren begonnen, die imposanten Auerochsen zumindest äußerlich wiederauferstehen zu lassen. In Europa leben heute rund 3 000 Tiere. 76 Züchter sind im aktuellen Zuchtbuch erfasst.

Bei Wind und Wetter auf der Weide
Behutsam lädt Walter Frisch den dicken Heuballen in der Mitte der Wiese ab. Es ist März, und der letzte Schnee ist auf den kahlen Wiesen eben erst verschwunden. Alle paar Tage bekommen die Tiere deshalb ihre Extraration. „Ansonsten sind sie sehr genügsam. Sie fressen alles , was grün ist. Im Winter übrig gebliebene Brennnesseln und Brombeerblätter. Oder sie graben eine bis zu 40 cm dicke Schneedecke mit ihrer Schnauze frei“, erklärt Walter Frisch.

In der Tat lebt die Herde 365 Tage im Jahr auf der Insel, ohne Stall oder Unterstand. Einen natürlichen Witterungsschutz schaffen lediglich die vorhandenen Waldränder.Das schwarze Winterfell schützt auch bei Temperaturen von unter minus 20 Grad und isoliert so gut, dass Neuschnee darauf nicht schmilzt. „Einmal lag eine Herde eingeschneit im Schnee und war so weiß, dass ich sie erst gar nicht entdeckt habe“, erzählt Walter Frisch und schmunzelt. Wenn der Sommer naht, wird das Fell heller, bräunlicher (Christian Rauch, Auszug).


 

Original oder Fälschung ?

Wie ursprünglich sind die modernen Auerochsen? Die tz sprach mit Walter Frisch, Züchter in Starnberg und Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Auerochsenzucht (Pressebericht in der tz , Zeitungsverlag tz München GmbH & Co. KG vom 18. März 2015).

Wie nah kommt die Rückzüchtung dem Original?
Walter Frisch: Wir sprechen von einem Abbild. Alle unsere über 500 Hausrinderrassen stammen ja vom Auerochsen ab. In der 20er Jahren des letzten Jahrhunderts haben die Gebrüder Heck in Berlin und München begonnen, die Tiere rückzuzüchten, indem sie verschiedene Robustrassen gekreuzt haben, und daraus ist das Abbild des Urrindes entstanden. Es ist natürlich nicht dasselbe, aber wir sagen es ist das Gleiche.

Ist aus dem Haustier also wieder ein Wildtier geworden?
Frisch: Im Gegensatz zum Hausrind benötigt der Auerochse keinen Stall, er muss nicht gefüttert werden. Die Tiere leben das ganze Jahr im Freien, sie bringen ihre Kälber ohne Hilfe zur Welt, was ein ganz wichtiger Aspekt eines Wildtieres ist. Ein weiteres typisches Merkmal eines Wildtieres ist, das die Kälber hellbraun auf die Welt kommen und sich später umfärben. Das Aussehen der Tiere entspricht den Merkmalen, wie wir sie von Abbildungen und Beschreibungen von früher kennen: der helle Aalstrich, der sich über den Rücken zieht, die mächtigen Hörner, und das weiße Flotzmaul. Stiere haben ein schwarzes, Kühe eher ein rötliches Fell.

Welche Ziele haben die Züchter?
Frisch: Wir haben uns auf die Heckrinder konzentriert, und man kann sagen, dass sich die Rasse stabilisiert hat. Es gibt Züchter, die noch Robustrassen einkreuzen, um z.B. noch mehr Größe zu erreichen. Wir waren die Ersten, die 1980 damit begonnen haben, Auerochsen, die bis dahin nur in Tier- oder Wildparks gelebt haben, auf größeren landwirtschaftlichen Flächen zur Landschaftspflege einzusetzen. Auerochsen sind wichtig für den Erhalt bzw. die Wiedergewinnung der Artenvielfalt. Das Entscheidende dabei ist, dass sie ganzjährig im Freien leben und so Landschaften offen halten, die sonst schnell verbuschen und verwalden würden (SUS).

Walter Frisch: Der Auerochse. Das Buch gibt einen Überblick über die Tiere und ihre Geschichte. Verlag Ilka Frisch, 69,00 €