Der Auerochs

„Auerochsen“ in Deutschland

Einst war das Ur-Rind, der europäische Auerochse, das größte Landsäugetier Europas. Bis die Menschen diesem Wildtier seinen Lebensraum nahmen und es ausrotteten, war es über weite Teile Europas, Asiens und Nordafrikas verbreitet.

Abbildung eines gewaltigen Urstieres aus dem Fachbuch und Bildband „Der Auerochs“

Abbildung eines gewaltigen Urstieres aus dem Fachbuch und Bildband „Der Auerochs“

Die Auerochsen (lat. Bos primigenius), auch Ur, Urrind oder Urus genannt, waren einst – neben dem Wisent – die Herrscher über die europäischen Wiesen und Wälder. Die wildlebenden Tiere hatten eine urige Kraft und waren mit fast zwei Metern Höhe und ihren gewaltigen Hörnern bis zu einer Tonne schwer.

Der letzte wilde Auerochse starb vor rund 400 Jahren in den polnischen Wäldern der Jaktorówka. Schon bald gab es erste Pläne von Zoologen, die Vorfahren unserer heutigen Hausrinder durch Rückzüchtungen wieder in Europa zu verbreiten.

Die Rückzüchtung des Auerochsen in Deutschland

Mit den ersten Versuchen den Auerochsen rückzuzüchten, wurde in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts in Deutschland begonnen. Vorreiter waren die Zoologen Heinz und Lutz Heck. Im Zoologischen Garten Berlins und dem Tierpark Hellabrunn in München gelang den beiden Brüdern eine Rückzüchtung oder auch Abbildzüchtung des Ur-Rindes.

Dazu hatten sie unterschiedliche Rinderrassen eingesetzt, wie Schottische Hochlandrinder oder Steppenrinder aber auch spanische, korsische und südfranzösische Rinder aus der Camarque wurden eingekreuzt. Auch Hausrindrassen kamen zum Einsatz, sofern sie Merkmale des ursprünglichen Auerochsen aufwiesen. Heraus kam das sogenannte „Heckrind“ – eine Züchtung, die mit Ausnahme der Größe wesentliche phänotypische Eigenschaften des Ur-Rindes zeigte.

Das Comeback des „Auerochsen“ in Deutschland in den 80er Jahren

Nachdem der zweite Weltkrieg den Zuchtversuchen ein Ende gesetzt und viele Tiere – insbesondere aus der Berliner Zucht – getötet wurden, kam es in den 1980er Jahren zu einem Comeback der „Auerochsen“. An einigen Zuchtstandorten in Deutschland kreuzte man – neben der Reinzucht – Heckrinder mit ursprünglichen Rassen aus Südeuropa und setzte sie auf großen Flächen – insbesondere auch in Ostdeutschland zur Landschaftspflege ein. Das Ergebnis ähnelte dem ursprünglichen Rind stärker in Größe und Kraft.

Die Verbreitung des Auerochsen heute

Im Jahre 1980 wurde im „Internationalen Zuchtbuch für Auerochsen“ ein Bestand von 88 rückgezüchteten „Auerochsen“ ausgewiesen, im Jahr 1985 waren es bereits 189 Tiere. Heute werden im Deutschen Zuchtbuch der „Auerochsen“ über 5.000 Tiere geführt, davon weit über 1.000 lebende.
Anfangs wurden die Auerochsen aus den Heck‘schen Rückzüchtungen vor allem in Tierparks und Wildgehegen gehalten. Im Zuge der Extensivierungstendenzen entdeckten Landwirte und neuerdings auch Naturschützer die Wildrinder für die ökonomisch extensive Grünlandbewirtschaftung. Beweidungsprojekte mit Wildrindern im Naturschutz gewinnen in Deutschland zunehmend an Bedeutung.

Walter Frisch – Vorreiter der Freilandhaltung von „Auerochsen“ in Deutschland

Als einer der ersten in Deutschland beschäftigte sich Walter Frisch – Mitbegründer des Vereins zur Förderung der Auerochsenzucht im Jahre 1997 und längjähriger Vorsitzender – seit 1980 mit der Freilandhaltung der rückgezüchteten „Auerochsen“. Auf seinem Bauernhof im oberbayerischen Pfaffenwinkel begann er mit der ganzjährigen Freilandhaltung. So konnten sich die Tiere in ihrem ursprünglichen Lebensraum auf größeren Flächen vermehren. Diese artgerechte Rinderhaltung auf größeren landwirtschaftlichen Flächen hat sich mittlerweile europaweit durchgesetzt.

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